Der eigensinnige Wasserball und ich – Meine ganz persönliche Geschichte

Beim Schreiben habe ich gemerkt, dass es viel ist, was ich zu meiner Geschichte und dem Thema mitteilen möchte. Deswegen teile ich die Geschichte in Teile auf. Wie viele es sein werden, weiß ich nicht. Wir werden sehen.

Teil 1 – Das unerklärliche Etwas und ich

Manchmal werd ich gefragt, wie ich erkannt habe, dass mit mir was nicht stimmt. Naja, ich war das gar nicht, sondern meine Mutter und meine damalige Ärztin. Dann geht es darum, wie sich das angefühlt hat, als ich Depressionen bekam.

Ich habe extrem viel abgenommen, Drogen genommen und bin eingefallen. Morgens aufstehen war für mich eine unendliche Überwindung. Dass es einfach nur die Arbeit an sich war, die mich nicht erfüllt hat, hat sich viel viel später rausgestellt. Ich war extrem motivationslos, hatte keine Kraft, hatte ein gestörtes Essverhalten und habe grundsätzlich gedacht, die ganze Welt sei gegen mich, mein Leben sei so scheiße und ich hätte keine Freunde. Also die Freude ist verschwunden. Sie war einfach nicht mehr da. Es war wie eine Wolke, die mich umschloss und nicht frei ließ. Dazu kam etwas, das tief in mir hing. Als würde da etwas schreien, was niemand hören konnte. das alles konnte nicht raus und das auszuhalten lag an mir.

Da war sie also, die erste Diagnose von vielen in den kommenden Jahren:
F32.1 Mittelgradige depressive Episode

Mit 18, also vor 12 Jahren, war ich das erste mal in einer Psychiatrie. Niemand durfte das zu der Zeit wissen. Es war mir unglaublich peinlich in der “Klapse” zu sein. 2008 wurde diese Krankheit auch noch viel mehr stigmatisiert. Ständig haben sich andere mit mir und meinem Leid verglichen und mein Leiden wäre doch gar nicht so schlimm. Mir ging es bei meinen Freunden gut – dort konnte ich lachen und hab alles vergessen. Aber wie konnte ich denn dann Depressionen haben? Ja, Depressive sind gute Schauspieler. Schon immer gewesen. Das Gefühl, nicht gesehen zu werden, wuchs ins Unermessliche.

Es war also keine tiefenpsychologische Therapie, sondern eher oberflächlich. Immerhin habe ich da schon rausgefunden, dass vieles aus der Kindheit kommt. Aber das ist leider ja bei vielen Menschen der Fall. Ich will absolut keine Schuldzuweisungen machen – denn dafür kann niemand was. Die Eltern meiner Generation sind ganz anders aufgewachsen und wir sind diejenigen, die es anders machen.

In der Klinik war ich insgesamt vier Monate (ein Monat stationär, drei Monate teilstationär). Medikamente waren damals bei mir notwendig, weil ich nichts mehr geschafft habe. Ich habe geweint. Ich habe sehr viel geweint. Das alles habe ich nicht verstanden

Die Klinik oder viel mehr der Umgang mit den Patienten/Patientinnen war nicht so gut. So gab es Disziplinarmaßnahmen – ich wurde ein Mal entlassen, obwohl ich noch nicht fertig war – weil ich zu zwei Therapien nicht gegangen bin. Und das ist eigentlich für Menschen mit Depressionen nicht gerade förderlich. Vor allem wenn man eh schon denkt, dass man einsam und ungeliebt ist.

Also ich habe aus dieser Zeit nicht wirklich viel für mich mitnehmen können, außer vielleicht, dass ich die Ergotherapie wirklich super finde. In den folgenden Jahren habe ich zwar mit den Drogen aufgehört, aber mein Leben lief nicht so ab, wie ich mir das vorgestellt habe (nein, natürlich hatte ich mit 18 nicht meine eigenen Vorstellungen, sondern wollte viel lieber die Vorstellungen anderer umsetzen). Ich bin an die falschen Menschen geraten, habe Alkoholmissbrauch betrieben, hatte eine sehr sehr toxische Beziehung und auch sonst habe ich mich total falsch beeinflussen lassen.

Ich kann nur sagen, dass mein damaliges Ich mein heutiges Ich als spießig und außergewöhnlich langweilig gefunden hätte. ALLES was ich bisher in meinem Leben getan und erlebt habe, hat mich geprägt.

Wir machen keine Fehler, wir sammeln Erfahrungen.