Der eigensinnige Wasserball – Was Beziehungen für die Seele tun können

Und wie war das nun? Nach der ersten Therapie? Nun, es ging mir nicht wirklich besser. Wie in Teil 1 ja schon geschrieben, habe ich zwar mit den Drogen aufgehört, aber getrunken. Der Alkohol war quasi meine Ersatzdroge. Erkannt hab ich das erst viel viel später.

In den Jahren nach der ersten Therapie habe ich mich mit falschen Leuten umgeben und auch dort nach wie vor nicht auf meine Familie gehört, die mir auch nur helfen und mitteilen wollte, was gut für mich ist.

Ich hatte nach wie vor kein Selbstwertgefühl und auch kein Selbstbewusstsein. Mit 21 bin ich eine Beziehung eingegangen, die man als toxisch bezeichnen würde. Und ja, das war sie allemal. Ich würde sogar knallhart behaupten, dass ich daran keine Schuld trage. Was hätte ich auch ohne jegliches Gefühl für mich selbst denn schon anrichten können? Ich habe ALLES für andere getan, nur nicht für mich selbst und das wurde eben ausgenutzt und ich manipuliert.

In besagter Beziehung hing ich 3 Jahre fest und natürlich habe ich schon nach einem Jahr darüber nachgedacht, Schluss zu machen. Aber dann gab es ja immer wieder Zeiten in denen es gut lief. Und HALLO? Ich hatte einfach tierische Verlustängste und mich abhängig gemacht. Ich war doch erst 21 und er war fast 30, für mich also schon so “erwachsen” – war er aber nicht.

Ich wurde klein gehalten, musste Beziehungen zu Freunden beenden, weil damit gedroht wurde, dass man mit mir nicht zusammen sein könne, wenn ich männliche Freunde habe. Mir wurde gesagt, ich wäre fett, könne gar nichts und solle doch mal den Haushalt machen. Es wurde mir regelmäßig vor die Nase gehalten, wie viele Affären er schon hatte, was er mit ihnen angestellt hat und dass ich doch auch einfach mal offener für sämtliche Sexpraktiken sein könnte und warum ich denn nicht so bin. Ja! Mein nicht vorhandenes Selbstbewusstsein wurde also noch kleiner. Es war so lange Zeit im Minusbereich.

Und es wurde getrunken. Es wurde so wahnsinnig viel getrunken. Da habe ich vermutlich auch meinen Alkoholmissbrauch her.

Und dann kam da mal ein Moment, in dem ich durch jemand anderes gefühlt habe, dass es doch anders geht. Denn ich habe gedacht, das wäre normal für eine Beziehung. Ich kann dir eins sagen: Das ist es nicht!! Und ich bin ehrlich – ich bin fremd gegangen. Am nächsten Tag habe ich direkt Schluss gemacht, denn für mich war klar, wenn ich das mache, läuft irgendwas gewaltig falsch. Und mein Gott ich kann dir sagen: Es war die beste Entscheidung die ich zu der Zeit hab treffen können. Die Monate danach bin ich aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen und konnte mich wieder finden. Ich habe mich optisch und auch menschlich so sehr verändert, dass selbst Freunde sagten, mir hätte was besseres nicht passieren können. Ich war wieder frei!

Was ich dann getan habe, zwei Jahre später, als er mir selbst nach unserer Beziehung sagte, dass mein Arsch auch immer breiter wird. Ich bin am nächsten Tag ins Fitnessstudio gegangen und hab ich angemeldet. Ab da an ging ich ein Jahr lang alle zwei Tage zum Sport. Ich wollte ihm unbedingt zeigen, was er nie wieder haben wird. Der Sport hat mir unglaublich gut getan. Mein Selbstbewusstsein wuchs und mein Körper hat mir so gut gefallen. Irgendwann hab ich es nur noch für mich gemacht.
Und gesehen habe ich diese Person seitdem sowieso nie wieder, umsonst war es aber nicht. Also hatte es doch eine positive Sache.

Vorbei war es mit der Depression aber lange nicht. Ich habe ein Jahr später meine Ausbildung angefangen und ich war so happy, dass ich meinen Weg gehen konnte. Aber unterschwellig ging da alles weiter, ich wollte es nur nicht wahr haben. Eingeredet hab ich mir nur, dass ich gesund bin. War ich nicht. Denn hier fing es mit der Angststörung der Panikstörung an. Wie das kam, erzähle ich dir im nächsten Beitrag.

Was ich dir aber hier noch auf den Weg mitgeben möchte: Wenn du in einer Beziehung bist, in der du verbal misshandelt wirst, in der du dir anhören musst, du seist fett oder nicht hübsch oder kannst nichts: höre auf dein Herz und denk darüber nach, wie es dir ginge ohne das alles. Denn auch jede Beziehung hat mal schöne Zeiten. Wenn aber die schlechten Zeiten überwiegend vorhanden sind, frage dich, ob es das wert ist!